Ein "Fehler-Cocktail"...

... aus Verpackung, Stauung und Handling
Wie selbst robuste und relativ unempfindliche Ware durch die mangelhafte Abstimmung von Verpackung, Stauung und Handling beschädigt oder sogar zerstört werden kann, zeigt dieser Fall: Eine grosse Sendung von Neopren-Sheets wird vom Produzenten in Japan zuerst nach China gesandt, um in der Folge an verschiedene Destinationen in Europa und Südamerika verteilt zu werden. Beim Umladen und Kommissionieren in Hongkong werden bereits kleinere Beschädigungen festgestellt und auf den Transportpapieren dokumentiert.
Trotzdem werden die Sendungen weitertransportiert. Die Sheets sind auf stabile Rollen gewickelt und in einfache Kartons gepackt. Auf den Kartons finden sich keine von den international üblichen Kennzeichnungen oder Markierungen. Der unscheinbare Aufdruck der Anweisung "transport only in horizontal position" bleibt wirkungslos. Die stehend im Container gestauten Rollen werden im Verlauf der Reise gestaucht und geknickt. Ein Grossteil der Sheets ist bei der Ankunft unbrauchbar.
Fast aus allen Destinationen kommen Reklamationen. Stellvertretend für die vielen aufgetretenen Schäden werden wir zu einem der Empfänger in Tschechien geschickt, um der Sache auf den Grund zu gehen. Die Schadenursache ist schnell festgestellt: Fehlende Markierungen, mangelhafte Verpackung und falsche Stauung im Container - ein "Fehler-Cocktail" der seine Wirkung nicht verfehlt...
In unserem speziellen Fall kommt noch eine Dimension dazu, die vielfach unterschätzt wird: Die letzte Transport-Etappe war ein nationaler Strassentransport innerhalb der Tschechischen Republik, die von einem österreichischen Frächter ausgeführt wurde. Dieser hatte die Ladung auf seinem Rückweg Richtung Österreich aufgenommen, um eine Leerfahrt zu vermeiden. Eine Haftungsbegrenzung auf Basis CMR zieht hier nicht, weil in Tschechien (im Unterschied etwa zu Österreich) die CMR nicht für nationale Transporte Anwendung finden. Relevant ist vielmehr das tschechische Handelsgesetzbuch und dieses sieht eine (zwingende!) Haftung mit dem vollen Warenwert vor.

Ein Tipp zu diesem Thema: Unser Beitrag in der aktuellen Ausgabe des Standardwerkes zum Strassenfrachtrecht "CMR Kommentar" (Thume, 2013), auf den Seiten 1208 ff.